Bücher beim Autor bestellen. Wie die Milch beim Bauern.

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So viele Bücher und Artikel wurden über unseren Konflikt geschrieben, Filme, Serien und Dokumentationen gedreht. Viele verteidigen jeweils eine Konfliktpartei und setzen die andere auf die Anklagebank. Es gibt viele Experten für das Scheitern – für Erfolge jedoch keine. Als Israeli kann ich mir mein Leben ohne diesen Konflikt kaum vorstellen. Doch immer wieder zeigten mir neue Kontakte zu Palästinensern und Arabern, dass ich den Konflikt nicht wirklich verstand.

Nach vielen Jahren im hoffnungslosen Ermüdungszustand, begleitet von Mantras, an die wir nicht mehr glauben, habe ich mich auf die Suche nach den Wurzeln des Konfliktes gemacht. Ich begab mich auf eine Reise durch die Realität und die Geschichte des Konfliktes, denn ich vermutete, dass ich nur so in der Lage sein würde, Gründe für Hoffnung auf Frieden zu finden.

Und ich bin fündig geworden. Das Erlebte und Gelernte erzähle ich in diesem Buch.

Auszüge aus "Wie denn sonst, wenn nicht gemeinsam?" findest du unten.

Wer die Bibel besser verstehen will, muss an ihren Ursprung zurückkehren. Mit diesem Buch nehme ich dich mit auf eine aussergewöhnliche Reise durch das Land der Bibel.

Auf den Spuren biblischer Erzählungen begleiten wir das Volk Israel über Jahrtausende hinweg, von den Erzvätern über die Zeit Jesu bis in die Gegenwart. Wir erleben Sieg und Niederlage großer Herrscher. Erkennen den Einfluss von Natur und Landschaft, Sprache und Kultur auf die biblische Geschichtsschreibung. Wir lernen wichtige jüdische Hintergründe kennen, in denen auch das Neue Testament eingebettet ist. Und  beobachten, wie Gott dieses kleine Land bis heute zum Schauplatz grossartiger Ereignisse der Weltgeschichte machte.

Bereits im Jahr seiner Erscheinung ist "Lass das Land erzählen" zum SCM-Bestseller geworden.


Auszüge aus "Lass das Land erzählen" findest du unten.

Assaf Zeevi mein nächstes Buch
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Auszüge aus "Wie denn sonst, wenn nicht gemeinsam?"

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Inhalt


Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Kindheit und Jugend im Schatten des Konfliktes . . . . . . . . . . . . . . . 9
Eine Reise durch die Geschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .27
Am Anfang (bis 1948) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . 29
Im geteilten Land (1948–1967) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . 52
Zwanzig entscheidende Jahre (1967–1987) . . . . . . .  . . . . . . . . . . .62
Experimentieren und scheitern (seit 1987) . . . . .  . . . .  . . . . . . . . . . 76
Eine Reise durch die Realität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . .  . . . 97
Verstehen will ich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . .  . . . . . . . . . . . . . . 99
Siedler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . . . . . 101
Palästinenser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
Ostjerusalemer . . . . . . . . . . . . . . . . .  . .  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
Israelische Araber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
Israelische Juden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234
Eine Reise hin zum Frieden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . 257
Worum geht es eigentlich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259
Wieso ist alles gescheitert? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . 264

Wie denn sonst? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
Epilog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . 277
Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  279


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Bevor wir zu den Anfängen des Konfliktes gehen, möchte ich dir aus meiner Kindheit und Jugend erzählen. Nicht um meine Person in den Mittelpunkt zu stellen. Auch nicht, weil meine Biografie besonders interessant wäre. Diese könnten in ähnlicher Form Millionen Israelis haben– und genau aus diesem Grund möchte ich diese Einblicke bieten. Außerdem wird durch diese Einblicke verständlich, weshalb ich mich der Suche verpflichtet fühle.

Chlorempfindlichkeit und PLO

Ich bin 1982 in Israel geboren. Das erste Mal, dass ich etwas über Araber gehört habe, war im Alter von drei Jahren. Draußen fuhr ein alter offener Transporter sehr langsam vorbei. Aus einem Lautsprecher hörte man: »Altisachen, Altisachen!«
»Mama, was heißt Altisachen?«, fragte ich meine Mutter aufgeregt.
»Schrott«, erklärte sie, »es ist ein Schrottsammler.«
»Wieso hat er ein blaues Nummernschild?«, erkundigte ich mich, denn alle anderen Nummernschilder waren gelb.
»Weil er aus den Schtachim kommt.«
Sicher ahnte meine Mutter, dass die nächste Frage sofort folgen würde. »Was sind die Schtachim?«
»Das sind Gebiete, wo viele Araber wohnen«, war die Antwort.
Schon wieder so ein Wort, das ich nie gehört hatte. »Was sind Araber?«
»Menschen. Sie sprechen Arabisch«, erklärte meine Mutter.
Lange glaubte ich, »Altisachen« wäre ein arabisches Wort, bis ich verstand, dass es Jiddisch war, »alte Sachen« bedeutet und mit schwerem arabischem Akzent vom Tonband des Schrottsammlers kam.
Vom Konflikt habe ich mit fünf Jahren zum ersten Mal etwas wahrgenommen. Ich war bei einem Freund zu Besuch. Wir Jungen durften oben alleine in die Badewanne gehen, während unsere Mütter sich unterhielten. Dort oben übten wir das Rutschen. Dabei maßen wir aus, wer das Wasser weiter spritzte. Das Reihenhaus in der Stadt Netanya, in dem mein Freund wohnte, war damals sehr modern. Vom offenen oberen Flur konnte man ins Wohnzimmer sehen und hören. Dort lief im Fernsehen gerade das Nachrichtenjournal von 17 Uhr.
Zwischen den Spritzwellen hörten wir Stimmen aus dem Fernseher, die darüber sprachen, Gespräche mit Aschaf seien verboten. Ich hatte keine Ahnung, wer Aschaf war, aber die Ähnlichkeit mit meinem Namen fiel mir auf. Nach jedem Rutschen schrie ich laut: »Und jetzt ist Aschaf dran!«
Irgendwann kamen unsere Mütter. Sie waren verärgert über die Spritzerei. Das
ganze Bad stand unter Wasser, unsere Hintern waren rot. Auf die Frage, was wir da machten, behauptete ich, es wäre nicht ich, sondern Aschaf gewesen. »Wer?«, fragte die Freundin. »Aschaf«, gab ich meine klare Antwort.
Unsere Mütter lachten und fragten, wer Aschaf sei. Ich sagte, es wäre der, mit dem man nicht reden darf. Mit Lachtränen in den Augen erklärte die Freundin meiner Mutter, man dürfe Aschaf nicht laut sagen, weil es böse Leute seien, Terroristen. Auch dieses Wort hörte ich nun zum ersten Mal.
Ich stellte keine weiteren Fragen, weil mir der Popo brannte. Die Freundin meiner Mutter putzte ihre neue Badewanne mit dem damals in Israel üblichen Generalputzmittel
Ekonomika, einem Bleichmittel aus Chlor. Mein Po wurde glühend heiß und ich musste weinen.
Ein Jahr später wurde ich eingeschult. In der ersten Schulwoche sah ich abends in den Nachrichten Bilder von steinewerfenden vermummten Männern. Man sprach über Brandsätze. Während ich von meinem Vater wissen wollte, was Brandsätze seien, hörte ich den Namen Jassir Arafat und seinen Titel »Kopf von Aschaf«. So erhielt ich von meinem Vater neben der Erklärung zu Brandsätzen noch eine weitere Information: Aschaf ist der hebräische Name der Organisation zur Befreiung Palästinas, PLO.

- AUSGESCHNITTEN -


Arabisches Land

Das Meer ist heute außergewöhnlich ruhig. Die Fischer sind schon längst wieder zurück. Ihre bunten Boote liegen in dem winzigen Hafen. An Land stehen einfachste Hütten aus Blech, Stein und Holz, muckelig-gemütlich.
Oft habe ich versucht, mir das Land vorzustellen, bevor die Juden in Massen eingewandert sind. Ja, es gab hier nie einen unabhängigen arabischen Staat, aber Israel oder Palästina– nenne das Land, wie du möchtest– war damals ein arabisches Land. Nicht politisch, aber die damaligen Bewohner waren in der arabischen Kultur beheimatet.
Damit mir die Vorstellung leichter fällt, fahre ich ins Fischerdorf Dschiser ez- Zarqa, unweit von Cäsarea. »Blaue Brücke« bedeutet der Name. Direkt hinter dem Hafen mündet der Fluss ins Meer. Früher hat er Sümpfe gebildet, von denen die Dorfbewohner gelebt haben. Sie fingen Fische, produzierten Töpfe aus dem Lehmboden und Körbe aus den Papyrusstauden und züchteten Büffel. Bestimmt ist meine Vorstellung idealisiert. Der Alltag war mühsam, das Leben hart und kurz. Auch damals wurde der verschlafene Ort gelegentlich von Konflikten durchgeschüttelt. Aber das war berechenbar und bekannt. Es war ihre Welt.

- AUSGESCHNITTEN -


Ein Volk erwacht

Wenn Theodor Herzl hier einen Parkplatz suchen müsste, hätte er es sich mit dem Zionismus zweimal überlegt. Nicht weniger als fünf Runden musste ich heute Morgen durch das  Zentrum von Rischon LeZion drehen, bis ich die ersehnte Parklücke gefunden hatte. Nur 100 Jahre vor meiner Geburt gegründet, leben hier schon 250.000 Juden, die gefühlt 500.000 Autos abstellen.
»Erstes zu Zion« wäre der Name der Stadt auf Deutsch. Tatsächlich ist es die erste Ortschaft, die Zionisten gegründet haben– so nannte man ab dem 19. Jahrhundert die Ideologen, die dieses Land besiedeln und hier einen Judenstaat aufbauen wollten. Als Herzl eine politische Bewegung aus ihren Vereinigungen in Europa machte, war Rischon LeZion 15 Jahre alt.
Ich spaziere durch die alte Dattelpalmenallee und sehe mir den Wir-haben-Wasser-gefunden-Brunnen an (ja, er heißt wirklich so), die Große Synagoge, die erste hebräische Schule, das erste Orchesterhaus und die erste industrielle Kellerei im Land. Ich stelle mir vor, an welcher Ecke wohl die Flagge zum ersten Mal gehisst wurde, die 63 Jahre später zur Fahne des neugeborenen Staates Israel wurde. Unsere Nationalhymne erweist sich als hartnäckiger Ohrwurm, nachdem ich gelesen habe, dass auch sie zum ersten Mal hier gesungen wurde. Die rumänische Volksmelodie ist nicht die einzige Verbindung zu Osteuropa. Alle historischen Gebäude könnten genauso gut in jeder rumänischen Altstadt stehen.
Vor der Stadt bestätigen glänzende Industriegebiete mit nagelneuen Hightech-Bauten den riesigen Erfolg des Zionismus. Israels Wirtschaft gehört zu den stärkeren. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 45.000 U$ pro Kopf bietet Israel seinen Bewohnern einen Lebensstandard, der mit den entwickelten Ländern Westeuropas mithält. Unser Human-Development-Index ist höher als in vielen europäischen Ländern. Es gibt keinen multinationalen Konzern, der in Israel kein Entwicklungszentrum hat. Unsere Währung ist stabil, die Inflation und die Arbeitslosigkeit gering, das Wirtschaftswachstum höher als in den meisten Industrieländern, die Zahlungsbilanz positiv. In Bezug auf die Gesundheit liegen Israelis international in der Top 10. Nur eine Sache hat der Zionismus noch nicht geschafft: Frieden.
Ich bin hergekommen, weil ich mir die ersten vier Jahrzehnte des zionistischen Werkes vor Augen halten möchte. Wie war es hier vor dem Ausbruch des Konfliktes?

- AUSGESCHNITTEN -


Die Wiege palästinensischen Nationalismus

Das malerische Steingebäude mit den vielen weißen Kuppeln liegt inmitten der Judäischen Wüste. Auf dem benachbarten Hügel habe ich das Sonnensegel vor das Auto gespannt. Von hier aus blicke ich auf ein Gebäude, das wie eine muslimische Variante eines Klosters aussieht. Nebi Musa heißt es auf Arabisch (»Prophet Mose«).
Die muslimische Tradition sieht hier das Grab Moses. Eigentlich könnte man sagen, er sei daran schuld, dass wir Juden so an diesem Land kleben. Aber anstatt ihn zu beschuldigen,  huldigen ihm die Araber hier als einem der großen Propheten.
Nebi Musa wirkt heute verlassen und in Vergessenheit geraten. Der Zustand ist symbolisch, denn dieser Ort ist nichts weniger als die Wiege des palästinensischen Nationalismus.

- AUSGESCHNITTEN -


Verstehen will ich

In 100 Jahren hatten wir 19 verschiedene Pläne, die eine Landesteilung in der einen oder anderen Form vorsahen. Zwölf Pläne sprachen von zwei Staaten, vier wollten den Anschluss von Landesteilen an Jordanien und drei strebten eine palästinensische Selbstverwaltung an. Kein Plan lieferte eine Lösung oder gar eine dauerhafte Verbesserung.
Wie kann es sein, dass so viele Pläne scheiterten? Verstehen wir den Konflikt vielleicht nicht wirklich? Ähneln wir einem Arzt, der eine Fehldiagnose macht und immer wieder ein  Medikament verschreibt, das für die eigentliche Krankheit irrelevant ist und die Symptome oberflächlich abschwächt, in Wahrheit aber verschlimmert?

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Speckgürtel

Die fünfspurige A5 führt mich vom Ballungsraum Tel Aviv nach Osten. Kurz vor der Grünen Linie stechen fünfzehn zwanzigstöckige Wohnhäuser ins Auge, die in Rosh Haayin gerade gebaut werden. Irgendwie passen sie nicht in die Landschaft und wirken wie ein Biss der Metropole in die Ränder des Hügellandes.
Eine gestrichelte Linie auf meinem GPS markiert die Grüne Linie. Kurz bevor ich sie passiere, kommt das Schild der regionalen Kommunalverwaltung Samarien. Draußen ist von der Linie nichts zu sehen.
Ich nehme die Ausfahrt und nach Oranit. Dort wohnt Gila. Wir kennen uns von den Pfadfindern, ihre Eltern sind aus Frankreich eingewandert. Ich erinnere mich an den Stolz ihres Vaters auf die drei Avocadobäume unterschiedlicher Sorten vor ihrem gepflegten Haus. Inzwischen ist Gila Ärztin und mit einem Piloten verheiratet. Zusammen haben sie in Oranit ein Haus gebaut. Der 10.000 Einwohner große Ort liegt unmittelbar an der Grünen Linie, allerdings östlich, was ihn zu einer Siedlung macht.

- AUSGESCHNITTEN -


Nakba und Feuerwerk

Auf die Empfehlung von Oren aus Beit Aryeh hin fahre ich ins benachbarte palästinensische Luban und halte dort am Lebensmittelladen an. An der Straße mit viel israelischem Durchgangsverkehr schreiben so gut wie alle palästinensischen Geschäfte ihr Angebot auch und zum Teil sogar nur auf Hebräisch an, von der Autowerkstatt über den Dönerstand bis hin zum Zahnarzt. Das Schild des Lebensmittelladens ist nur auf Hebräisch. Der Laden ist klein und vollgestopft, aber die Auswahl ist trotzdem gering. Das Obst und Gemüse sieht nicht nach A-Klasse aus, in den israelischen Supermärkten sieht man so etwas nicht. Mir gefällt es jedoch, ich stehe nicht auf die perfekte Güteklasse. An der Wand ist ein Fernseher installiert. Es läuft Al Jazeera.
Beim Rundgang entdecke ich viele israelische Produkte. Einige sind genau so verpackt wie in israelischen Läden, andere ähnlich, nur mit arabischer Schrift. Die Preise der Lokal- und Importware sind generell niedriger als in israelischen Läden, aber die israelischen Produkte hier kosten fast das Gleiche. Viele ausländische Produkte sind mir überhaupt nicht bekannt. Ich nehme ein paar Sachen und gehe zur Kasse. Es gibt kein Kassenband, nur eine Theke. Der Verkäufer tippt alles ein und nennt den Betrag gleich auf Hebräisch. Ich erzähle ihm, dass ich mich gefreut habe, den Laden zu entdecken, und zum ersten Mal hier anhalte. »Komm jeden Tag«, empfiehlt er mir lächelnd. »Ich habe hier alles.«
Ich frage ihn, wie lange er seinen Laden schon hat. Bald 25 Jahre. Ich erkundige mich, ob es im Dorf noch mehr Lebensmittelläden gibt.
»Ja, noch einen. Aber der ist klein und hat nicht so viel Auswahl«, antwortet er rasch. »Bei mir halten alle an, du bekommst hier immer einen Parkplatz und immer die besten Preise.«
»Kaufen auch Leute aus dem Dorf bei dir ein?«, erkundige ich mich.
»Sicher. Aber für die ist der andere Laden näher«, lautet die ehrliche Antwort. »Hauptsächlich sind Israelis meine Kunden, 80 Prozent, manchmal mehr. Ich sage dir nicht ohne Grund, bei mir finden sie alles, was sie brauchen.«
Der Stolz auf seine israelische Kundschaft ist sichtbar. Sicher weiß er, dass Israelis, die nicht in einer der nächsten Siedlungen wohnen, wohl kaum zum Einkaufen hierherkämen. Sein Geschäft basiert auf dem Siedlerverkehr.
»Was wirst du machen, wenn die neue Umgehungsstraße fertiggestellt ist?«, frage ich.
Er hält seine Hände in einer empfangenden Geste auf, schaut nach oben und antwortet: »Gott ist groß.«
Er hat keine Ahnung, was er machen wird, wenn die Siedler nicht mehr durch Luban fahren. Vermutlich wird er den Laden aufgeben müssen, denn für die Dorfkundschaft ist er zu weit weg.
»Kommt ihr mit den Leuten aus Beit Aryeh klar?«
»Sicher«, antwortet er. »Wir zeigen unseren Kindern euer Feuerwerk am Unabhängigkeitstag.«
Auf diese Antwort war ich nicht vorbereitet. Wenn ich Palästinenser wäre, wäre mir der israelische Unabhängigkeitstag ein Dorn im Auge, der rücksichtslose Siegeszug des Feindes, der mich in meinem Schmerz in Bezug auf diesen Tag ignoriert. Doch der palästinensische Vater vor mir und seine Kinder warten auf diesen Tag, um das Feuerwerk zu sehen.
»Ich bin nicht aus Beit Aryeh«, erzähle ich. »Ich komme aus der Gegend von Netanya, aber seit einigen Jahren lebe ich im Ausland.«
»Ah, im Ausland ist es am besten, glaube mir. Aber wenn du zurück ins Land kommst, dann überlege dir, in Beit Aryeh etwas zu finden. Es ist ein guter Ort!«
»Ich dachte, jeder Jude weniger im Land ist ein guter Jude«, antworte ich mit einem Lächeln.
»Ah, lass mal die Politik raus. Sie ist unwichtig«, urteilt er.
Zwischen der politischen und der persönlichen Ebene ist die Kluft groß, das sehe ich immer wieder. Was politisch unverträglich ist, ist persönlich oft kein Problem.
Daher frage ich: »Habt ihr auch Freunde in Beit Aryeh?«
»Ich habe Freunde überall, auch von Peduel, und Nili (weitere Siedlungen in der Nähe). Wir haben sie hier zu Hochzeiten eingeladen und sie haben wie Könige gegessen und viel Spaß gehabt.«
»Macht doch eine Städtepartnerschaft oder einen Fußballclub zusammen«, schlage ich vor, obwohl ich die Realität kenne.
»Ah, du weißt, wie es ist. Das geht nicht.«
»Wieso nicht? Würden die Siedler es nicht wollen?«, erkundige ich mich nach seiner Erklärung dafür.
»Unsere Behörde wird es nicht lieben. Wir würden Probleme bekommen.«
Es ist bekannt, dass die PA solche Beziehungen streng verbietet und jegliche Normalisierung mit Israelis und den Siedlungen boykottiert.
»Eines Tages«, sage ich optimistisch.
»Inschallah, von deinem Mund zu Gott!«

- AUSGESCHNITTEN -


Ein Spezialtor

Die arabische Stadt Baqa el-Gharbijja (das westliche Baqa) liegt direkt an der Grünen Linie. Früher fuhren die Einwohner ins andere, das östliche Baqa, zum Einkaufen. 1,5 Kilometer liegen zwischen den beiden Orten. Die Leute vom westlichen Baqa sind israelische  Staatsbürger, weil ihr Dorf im Waenstillstandsabkommen von 1949 zu Israel gekommen ist. Die Leute im östlichen Baqa kamen unter jordanische und 1967 unter israelische Kontrolle. Seit Oslo ist ihr Dorf in einer B-Zone der PA. Seit der Zweiten Intifada verläuft die Grenzanlage zwischen den beiden Baqas. Man kann nicht mehr einfach mit dem Auto rüberfahren.
An diesem Morgen möchte ich mir das Tor zwischen den beiden Baqas anschauen. Die Straße ist eine Sackgasse geworden, sie endet in einer Betonmauer. Um 07:10 Uhr ist sie dafür aber sehr lebendig. Jede Menge Pkws, vor allem Pick-ups, stehen hier. In den meisten ist nur der Fahrer, manchmal sitzt auch jemand auf dem Beifahrersitz. Bei vielen bleibt der Motor an. Andere warten angelehnt an ihr Auto, im Handy versunken. Ich bin der einzige Jude zwischen den Arabern und falle auf, aber keiner spricht mich an. Ab und zu kommen Leute zu Fuß aus einer Seitengasse, allein oder in Kleingruppen. Fast alle tragen eine schwarze Plastiktüte in der Hand. Dieses Bild ist in Israel bekannt. Ich habe nie verstanden, wieso die palästinensischen Arbeiter ihr Essen in schwarzen Plastiktüten tragen. Dem Klischee nach haben sie darin Pita und Hummus.
»Wartet ihr alle auf Arbeiter?«, frage ich einen wartenden Mann. Er nickt.
»Kann ich auch einen Arbeiter mitnehmen?«
»Hier kommen nur welche mit Sondergenehmigung durch. Sie wurden alle persönlich eingeladen«, erklärt er. Auf seiner Ladefläche hat er Gartenwerkzeug.
»Gärtner, oder?« Er lächelt bestätigend und gibt mir eine Visitenkarte aus dem Auto. Die Visitenkarte ist nur auf Hebräisch.
»Wir machen alles. Mauern, Trockenbau, mit Beton, Wege, Pflaster, Pergolen, Bewässerung, alles computerisiert, alle Pflanzarbeiten. Neue Gärten und Pflege. Meine Kunden sind überall im jüdischen Sektor.«
»Hast du auch arabische Kunden?«
»Ein paar, aber viel mehr Juden. Sie arbeiten gern mit mir.« Die Aufträge von jüdischen Kunden scheinen für ihn die beste Visitenkarte zu sein.
»Wie viele Arbeiter holst du hier ab?«
»Nur zwei. Ich habe meine festen Leute. Sie kennen die Arbeit und die Kunden.«
»Bekommst du leicht die Genehmigung, sie zu beschäftigen?«
»Im Staat Israel ist nichts einfach, wie du weißt«, erklärt er von Israeli zu Israeli. Wenn es um Beschwerden über Bürokratie geht, gibt es eine Grundsolidarität unter Israelis, auch zwischen Juden und Arabern.
»Ich kann dir versichern, dass es im Ausland nicht einfacher ist«, gebe ich zurück.
In diesem Moment kommen seine beiden Arbeiter, Anfang 20, in Jeans und T-Shirt. Beide waren kürzlich beim Friseur. Die Haarmode der palästinensischen jungen Männer ist im internationalen Trend: die Seiten kurz, oben lang, der Pony noch länger und diagonal mit Hilfe von Haarspray stehend. Beide haben einen nicht zu langen Hipsterbart. In einem anderen Kontext hätte ich sie nie für Hilfsarbeiter gehalten. Ihr Arbeitgeber fragt sie, ob es heute am Grenzübergang schneller ging. Sie sind wohl etwas früher als sonst.
»Wann müsst ihr aufstehen, damit ihr um 7 Uhr hier seid?«, frage ich die beiden.
»So kurz vor 6 Uhr, wir wohnen nicht weit.«
Sie kommen aus einem Dorf weiter südlich, nicht weit von Tulkarm. Ihre Einladung ist nur für diesen Grenzübergang gültig, weil ihr Arbeitgeber hier ist.
»Behandeln euch die Soldaten am Grenzübergang gut?«, erkundige ich mich.

- AUSGESCHNITTEN -


Sogar über das Problem uneinig

In den Kreisen, in denen ich großgeworden bin, sprach man über die Besatzung von 1967, die Problematik der Siedlungen, die Unterdrückung der Palästinenser, die Notwendigkeit der Teilung Jerusalems und die Grüne Linie als die wahre Definition von Israel und Palästina. Wir lebten im Gedanken, dass das Ende der Besatzung und die Landesteilung die Probleme lösen und den ersehnten Frieden bringen würden. Wir haben die Schuld in uns gesucht und im Sechstagekrieg gefunden. Ehud Barak wuchs in dem meiner Kibbuzschule benachbarten Kibbuz auf. Sein Slogan »Wir hier, sie dort« war der Slogan von uns allen.
Erst im vierten Jahrzehnt meines Lebens habe ich allmählich verstanden, dass
wir in einer Illusion gelebt haben.

- AUSGESCHNITTEN -


Teilen

Oft brüsten wir Juden uns mit der früheren Bereitschaft, das Land zu teilen, und erklären die Araber wegen ihrer Ablehnung für schuldig. Dabei übersehen wir die Veränderung im Machtverhältnis. Als Juden eine kleine Minderheit im Land waren, war ihre  Teilungsbereitschaft nicht verwunderlich. Fast jedes Stückchen Land für
einen eigenen Staat in der historischen Heimat wäre die Erfüllung ihres nationalen Traums gewesen. Sie mussten sich zwischen dem ganzen Land und einem Staat entscheiden.
Die Judenverfolgung in Europa sorgte für Dringlichkeit. Ihr Pragmatismus war der Schlüssel für ihren politischen Erfolg. Heute, als Siegerseite, ist die jüdische Bereitschaft, das Land zu teilen nicht mehr im Konsens.
Ganz ehrlich: Wieso hätten die Araber einem Teilungsvorschlag zustimmen sollen, solange sie eine große Mehrheit waren? Wer hätte gedacht, dass die Juden so stark werden würden?
Als ich meinen Freund Atrash fragte, warum die Araber alle Teilungsvorschläge total abgelehnt haben, schaute er mich überrascht an und fragte: »Wenn jemand ein Zimmer bei dir gemietet hätte und sich dann in deinem Wohnzimmer auf dem Sofa einnistet und mit dem Vorschlag kommt: ›Lass uns das Haus teilen‹, würdest du annehmen?«
Für uns sind wir im Land zu Hause. Für sie sind wir erst seit vorgestern da.

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Das sagen andere über "Wie denn sonst, wenn nicht gemeinsam?"

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»Assaf Zeevi und ich sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen, jedoch in zwei Parallelgesellschaften. Sein Buch ist eine lebendige Brücke zwischen ihnen. Es bietet Außenstehenden einen authentischen Einblick in die Lebensrealität - und macht Hoffnung.«
Ahmad Mansour, Psychologe, Extremismusforscher und Bestsellerautor, Palästinenser mit israelischer und deutscher Staatsbürgerschaft

 »Assaf Zeevi nimmt uns mit zu den Wurzeln, Hintergründen, Schauplätzen und Beteiligten des Nahostkonflikts – schonungslos, jenseits von westlichem Wunschdenken: real, komplex, oft schmerzlich. Eine mitreißende Reise quer durch das Heilige Land – von Haifa bis nach Ramallah.«
Josias Terschüren, Nahost-Experte, Bereichsleiter Politik & Gesellschaft bei CSI

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 Auszüge aus "Lass das Land erzählen"


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Berühmt. Von keinem anderen Land kennen Menschen in aller Welt so viele Namen von Orten, Bergen, Bächen, Tälern und selbst Straßen wie von Israel. Spätestens im Alter von fünf Jahren wird so gut wie jedes Kind des Abendlandes die Ortsnamen Nazareth, Bethlehem und Jerusalem gehört haben. Mit 10 Jahren können die meisten mit dem See Genezareth etwas anfangen, mit 15 vielleicht auch mit dem Ölberg und dem Garten Gethsemane. Die Namen der Regionen Galiläa, Samarien und Judäa gehören zur Allgemeinbildung in den christlich geprägten Kulturen, wenn auch nicht jeder sie genau einordnen kann. Dabei gibt es nicht viele Länder dieser Größe, die überhaupt Beachtung finden. Warum ist das so? Die Erklärung ist einfach: Die Bibel hat das Land berühmt gemacht. Das Stückchen Land am südöstlichen Mittelmeer ist durch eine ganz besondere Verheißung zum Hauptschauplatz biblischer Geschichte geworden. 


-- AUSGESCHNITTEN -- 

Neben Wölfen, Schakalen, Wildschweinen und Rehen leben hier auch Leoparden, Steinböcke, Gazellen, Stachelschweine, Klippschliefer und Hyänen. Die meisten dieser Tierarten werden auch in der Bibel erwähnt. Durch den starken menschlichen Einfluss sind viele Tierarten ausgestorben, zum Beispiel das Nilpferd. Zur Zeit Davids konnte man noch an einigen Flussmündungen mit einer Nilpferdbegegnung rechnen. Im Talmud wird der Löwe als „König der Tiere“ (Bab. Talmud Hagiga 13,2) genannt.
Diese Rabbiner kannten den Löwen nicht nur als National-Geographic-Shootingstar. Der letzte Löwe lebte im 14. Jh. n. Chr. im Land. Als Jesus am Jordan unterwegs war, musste er nicht nur nach Pharisäern Ausschau halten, sondern auch nach 70 kg schweren Persischen Leoparden.

-- AUSGESCHNITTEN -- 

Lass uns in Abrahams Schuhe schlüpfen und ihn ins Land begleiten. An vielen Stellen lassen sich die Verse wie ein Reiseführer lesen. Wir starten in Haran (Gen 12) und wollen nach Sichem im Herzen Kanaans, wohin Gott uns führt. Wir nehmen die Königsstraße über Damaskus nach Süden. 60 km südlich der heutigen syrisch-jordanischen Grenze kommt die Abzweigung zum Jordan. Im Jordantal ist es trocken, heiß und baumfrei. Die Sonnenuntergangsstraße wird uns 35 km durch die Schlucht Tirza führen, 1000 Höhenmeter bergauf haben wir vor uns.

Mit jedem Schritt wird die Landschaft mediterraner und grüner, die Luft kühler und klarer. Je höher wir kommen, desto mehr Dörfer gibt es, mit mehr Landwirtschaft. Links begleiten uns immer die Hänge des Berges Kabir. Der Bach fließt ganzjährig und schnell. Immer wieder kommen wir an Quellen vorbei, die den Bach speisen. An den Quellen haben Menschen Becken und Tränken gebaut. Auch in 3800 Jahren werden Hirten ihre Herden noch zu diesen Wasserstellen bringen. Das Tal ist fruchtbar. In Tieflagen werden Datteln angebaut, höher sind es Feigen, Oliven und vor allem Granatäpfel. In 1900 Jahren werden Rabbiner die Granatäpfel und Nüsse aus diesem Tal als Beispiel für besonders kostbare Waren nennen, die nicht nach Gewicht, sondern einzeln verkauft werden (Mischna ‘Orla 3,8). In den Dörfern werden neben Lebensmitteln Geschirr, Gefäße, Werkzeuge und Stoffe angeboten. Sobald wir oben sind, öffnet sich ein Tal, dahinter erheben sich zwei runde Berge, Ebal und Garizim. Unten, wo sie sich fast berühren, liegt Sichem, unser Ziel.

-- AUSGESCHNITTEN --

Unser Königsbild stammt aus dem Mittelalter Europas – ein König, der über ein ganzes Königreich regiert, wie England, Schweden oder Dänemark. Wenn wir uns einen biblischen König vorstellen, haben wir meistens David und Salomo im Sinn. Zwischen Abraham und David liegen 730 Jahre. Sie lebten in sehr unterschiedlichen Gesellschaften. Falls du noch nie vom Königreich „Zebojim“, „Bela“ oder „Adama“ aus der Geschichte Abrahams gehört hast, kannst mit gutem Gewissen und ohne zu googeln weiterlesen. Es waren nur Städte. Etwas größere Königreiche und sogar Imperien gab es damals schon, aber ein König war im 18. Jh. v. Chr. nicht viel mehr als ein Bürgermeister eines ausgewachsenen Dorfes, eine Art Stammesführer. Klein, aber oho, denn damit wurde er den Göttern gleichgestellt. Er hatte eine eigene Streitmacht und konnte über Krieg und Frieden, Leben und Tod entscheiden und keiner hat ihn gebremst. Er hatte mehr Macht als ein Regierungschef in einer heutigen Demokratie.

-- AUSGESCHNITTEN --

Es ist der 14. Nissan. Zum ersten Mal seit der Toragabe am Berg Sinai können die Israeliten wieder Pessach feiern. Sie waren 40 Jahre in der Wüste unterwegs und haben nur einmal Pessach gefeiert? Wie kann das sein? Zeit hätten sie dafür wohl genug gehabt … Doch während des Wüstenzuges ließen sie die Beschneidung aus – wegen hygienischer Mängel, erklären Rabbiner meistens. Als Unbeschnittene mussten sie Pessach nicht feiern. Weil sie im Wüstenzug kaum Opfertiere hatten, war ihnen das auch ganz recht, vermuten einige Rabbiner.
Versuchen wir, uns in das Volk Israel an diesem Pessach hineinzuversetzen. Was muss das für ein Gefühl sein, zu der Generation zu gehören, die die Erfüllung der Verheißung erlebt? Noch vor wenigen Wochen waren sie zwischen dem Roten und Toten Meer im trockenen Gebirge. Überwältigend, was alles in dieser kurzen Zeit passiert ist. Eine Reihe militärischer Siege, genug Lebensraum für zweieinhalb Stämme, das Wunder der Jordanüberquerung und jetzt sitzen sie in dem Land, dass ihnen versprochen wurde. Kein Wunder, dass sie ihrer Beschneidung oberste Priorität einräumen. Sie möchten den Bund mit Gott bestätigen. Sie sehen, dass er funktioniert.
 
-- AUSGESCHNITTEN --

Durch diese Studie wissen wir viel mehr über die Landnahme und -besiedlung. Pass auf: Am Vorabend der Landnahme gab es 19 kanaanäische Siedlungen im erfassten Areal, sieben davon im Jordantal, 12 in Samarien. Das Bergland war fast menschenleer. Jetzt wissen wir, warum sich die Israeliten hauptsächlich dort niederließen. Zwischen 1200-1000 v. Chr. wurden im erfassten Areal 450 israelitische Siedlungen gegründet, 300 von ihnen innerhalb der ersten 50 Jahre. Falls du den letzten Satz schnell gelesen hast, lies ihn bitte nochmals und denke nach, was er bedeutet. Die Anzahl der Siedlungen stieg innerhalb von zwei Generationen um 1800 %. Eine Doktorarbeit errechnete das Bevölkerungswachstum in diesen 50 Jahren auf etwas mehr als 1000 %. Durch Geburten kann das nicht passieren. Nur eine massive Zuwanderung kann das erklären. Diese Zuwanderer waren Nomaden, zeigen die Funde. In 200 israelitischen Stätten im Jordantal wurden fast alle Viehgehege aus Steinen gebaut. Die Menschen wohnten nebenan in Zelten.
 
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Eichgrund
So übersetzte Luther das „Ela-Tal“, wo David Goliat bekämpfte. Andere Übersetzungen schreiben „Terebinthental“, wobei Terebinthen in Israel nicht vorkommen. Heute nennen wir einige Pistazienarten Ela, aber sie sind im Land so verbreitet, dass das Tal wohl kaum nach ihnen benannt wurde. Vermutlich war Ela damals eine andere Baumart, nur welche – das kann uns das Gelände am besten beantworten. In diesem Tal wächst eine für Israel besondere Pflanze, der Anabaum. Er sieht wie eine Akazie aus, kommt aus der ostafrikanischen Savanne und kann sich in Israel nur durch Wurzeln verbreiten. Deswegen gibt es ihn in Israel nur an sehr wenigen Stellen. So wäre die richtige Übersetzung hier „Anabaumtal“
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Falsche Propheten gibt es allerdings auch. Ein falscher Prophet ist jemand, der Gutes weissagt, das sich nicht erfüllt. Wenn er Schlechtes weissagt, das sich nicht erfüllt, bleibt er ein wahrer Prophet. Wieso? Weil das Volk vielleicht auf ihn gehört und Gott gnädig die Strafe aufgehoben hat. Darf ein Prophet alles sagen? Nein. Wenn er die Auflösung eines einzigen Gebotes für die Ewigkeit prophezeit, ist er ein falscher Prophet. Eine zeitbegrenzte Auflösung ist jedoch in Ordnung, darauf muss man sogar hören. Wenn ein Prophet aber Götzendienst prophezeit, ist er ein falscher Prophet, auch wenn der Götzendienst zeitbegrenzt sein sollte. Sobald die Echtheit eines Propheten bewiesen ist, darf man seine Prophetien nicht anzweifeln und auch keine Wunder von ihm verlangen (Mischne Tora, Jessodei HaTora 10,1). Eine Gemeinsamkeit haben alle Propheten: Wer prophezeite, prophezeite nur im Land Israel oder dafür (Rabbi Jehuda HaLevi).

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Unter Esra wird ein weiteres, wichtiges Organ gegründet: die Knesset HaGdola, dt. „Große Versammlung“. Richtig erkannt, Israels Parlament ist in Anlehnung an diese Versammlung benannt. Auch die Abgeordnetenzahl ist der historischen Versammlung entnommen, 120. Die Knesset HaGdola befasste sich mit rechtlichen Angelegenheiten, nationalen Grundproblemen und akuten Fragen. Getagt hat sie im Tempelvorhof. Im Laufe der Jahre reduzierte sich die Mitgliederzahl durch Todesfälle ohne Nachfolger auf 71. Später bekam die Versammlung ihren vom Griechischen abgeleiteten Namen Sanhedrin. Ins Deutsche wurde sie als „Hoher Rat“ übersetzt. Nach rabbinischer Überlieferung legte die Große Versammlung den Kanon der hebräischen Bibel abschließend fest.

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Die meisten Juden identifizierten sich mit einer dieser Strömungen, ohne feste Mitglieder zu werden. Sadduzäer gab es gegen Ende des Hasmonäerreiches vermutlich ein paar Hundert, Pharisäer und Essener jeweils ein paar Tausend. Im Volk waren Sadduzäer meist verhasst, Essener eher bewundert und Pharisäer weitgehend beliebt. Die ersten Hasmonäer bevorzugten zunächst die Pharisäer, später aber die Sadduzäer. Als Jannäus die Knesset HaGdola entmachtete, entfachte er einen heftigen Konflikt mit den Pharisäern. Essener wurden von den Hasmonäern besonders gehasst.
Die gesellschaftlichen Risse wurden immer größer, nahezu unüberwindbar, und schwächten das Volk immens. Diese Schwäche führte zu Krieg und Fremdherrschaft, die das Volk im 1. Jh. n. Chr. sein Land, seine Freiheit, seine Hauptstadt und seinen Tempel kosteten. Wenn man heute einen Juden fragt, wieso der Zweite Tempel zerstört wurde, gibt er mit Sicherheit die klassische Antwort: „Wegen grundlosem Hass“.

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Bei Rabbinern der Antike sprechen wir immer von Chasal, eine Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben der Worte Chachamejnu Sichronam Livracha, dt. „Unsere Weisen, möge ihre Erinnerung gesegnet sein“. Das Chasalzeitalter beginnt im 3. Jh. v. Chr., endet im 6. Jh. n. Chr. und wird in Epochen unterteilt. Die Epochen werden nach der Bezeichnung der jeweiligen religiösen Autoritäten Israels benannt. Die ersten 200 Jahre waren die Epoche der Sugot, dt. „Paare“, weil damals immer zwei Weise an der geistlichen Spitze saßen. Einer war der Nassi, d. h. Präsident des Hohen Rates, der andere der Av Beit HaDin, Gerichtsvorsitzender im Hohen Rat. Fünf Paare gab es. Nicht immer haben sie sich vertragen. Das bekannteste Paar ist das letzte, Hillel und Schammai, deren Diskussionen und Aussagen auch bei Jesus eine Rolle spielen.

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Jesus sagt unmissverständlich, dass er mit der Theorie der Pharisäer einverstanden ist, nicht aber mit deren ausbleibender Umsetzung: „Alles nun, was sie euch sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken! Denn sie sagen es und tun es nicht“ (Mt 23,3). Hier berührt er eine der wichtigsten rabbinischen Kontroversen der damaligen Zeit: Was hat Vorrang – Talmud o Ma’asse, dt. „das Lernen oder die Tat“? Unter „Tat“ versteht man das Halten der Gebote im sozialen Bereich wie „Wohltätigkeit“ und „Gnadentaten“. Eigentlich alles, was zur Nächstenliebe gehört. Wie Jesus betonten die Weisen, die Belohnung für die Taten sei für die kommende Welt vorgesehen. Für sie waren sowohl das Lernen als auch die Tat wichtig, sie waren sich nur nicht einig, was wichtiger sei. Eine Diskussion aus dem 1. Jh. n. Chr. macht es deutlich: „Was ist größer? Lernen oder Tat? Rabbi Tarfon sagte: Die Tat ist größer. Rabbi Akiva sagt: Größer ist das Lernen. Alle antworteten und sagten: Größer ist das Lernen – denn das Lernen bringt Taten hervor“ (Sifrei Dvarim 41). Manche Rabbiner waren anderer Meinung: „Wer lernt, um zu lehren, wird lernen und lehren. Wer lernt, um zu tun, wird lernen, lehren, halten und tun“ (Mischna Avot 4,5). Theorie bleibt ohne Tat nur Theorie. Jesus ist ein Verfechter der Tat.
 
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Ein Höhepunkt der Diskussion über Nächstenliebe ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Jedes Mal, wenn die Reiseroute über die Jerichoer Straße führt, fährt man an dem Ausfahrtsschild „Barmherziger Samariter“ vorbei. Der kirchlichen Tradition nach stand hier die Herberge aus dem Gleichnis. Erstaunlich, wie ein Gleichnis archäologische Spuren hinterlassen kann. Hunderte Male durfte ich Auslegungen von Pfarrern und Pastoren dazu hören. Alle sprachen über Nächstenliebe und die einstige Spannung zwischen Juden und Samaritern. Die Auslegungen waren gut, aber fast alle verfehlten einen essenziellen Punkt, weil sie den halachischen Hintergrund nicht sahen. Wer dem überfallenen Juden nicht half, waren ein Priester und ein Levit. Sie unterlagen besonderen Reinheitsvorschriften, besonders wenn sie in Kontakt mit Toten kamen. Sie hatten Angst, dass ihnen der Verletzte unter der Hand starb, und standen vor einem Dilemma: Was ist wichtiger, Ritual- oder Sozialgebote? Damals eine jüdische Kontroverse, zu der die Pharisäer Jesu Meinung hören wollten. Jesus beantwortete die Frage mit der Gleichstellung beider Gebotsgruppen und fasste zusammen: „An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt 22,40). Auch hier spielte er auf Hillels berühmte Aussage an. Die Geschichte ist ein Klassiker, den man kennen sollte. Sie heißt „Die Tora auf einem Bein“: „Es kam ein Konvertierungswilliger zu Schammai und wollte von ihm hören, worum es in der gesamten Tora gehe, aber bitte kurz, solange er auf einem Bein stehen könne. Der strenge Schammai reagierte verärgert. Die Tora sei wie ein Gebäude und es gebe kein einzelnes Gebot, auf dem sie stehen könne, wie auch kein Gebäude auf nur einer Stütze stehen könne. Dann ging der Heide zum offeneren Hillel, der ihm antwortete: Was dir verhasst ist, das tu deinem Nächsten nicht – [das ist die gesamte Tora] und der Rest ist Auslegung – gehe und studiere“ (Bab. Talmud Shabbath 31,1). Jesu Anspielung: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten“ (Mt 7,12).
 
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Marta serviert nun das Abendessen, das wir „Vierte Mahlzeit“ nennen. Drei Mahlzeiten muss es jeden Sabbat geben, schreibt die Halacha vor. Einmal am Freitagabend zum Sabbatbeginn, einmal nach dem Gottesdienst am späten Vormittag und einmal noch vor dem Sonnenuntergang. Die vierte Mahlzeit ist schon nach Sabbatende. Bis Mitternacht ist es erlaubt, mit dieser Mahlzeit den „Sabbat in seinen Ausgang zu begleiten“, lautet der Brauch. Danach ist der Sabbat eindeutig vorbei. Der Sonntag beginnt auch mit der Dunkelheit, weil die jüdischen Tageseinheiten von Abend zu Abend andauern, so wie es in der Schöpfungsgeschichte steht: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, ein Tag“ (Gen 1,5). Weil schon der erste Werktag begonnen hat, sind weltliche Themen wieder erlaubt. Jesu Jünger Judas hat darauf gewartet und spricht über Finanzen. Über Geld spricht man am Sabbat nämlich nicht. In wenigen Tagen wird dieser Judas Jesus für Geld verraten.
 
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Die kommenden Tage verbringt Jesus wohl meistens auf dem Tempelplatz und lehrt. Vor allem in Gleichnissen offenbart er seine Lehre. Die Nächte verbringt er am Ölberg, vielleicht bei Freunden in Bethanien oder unter den vielen Pilgern zwischen den Olivenbäumen. Die Stadt hat gewöhnlich schon 30 000 bis 50 000 Einwohner und über die Pilgerfeste kommen noch ein bis zwei Millionen Pilger dazu. Selbst wenn man das Geld für eine Unterkunft hat, reichen die Kapazitäten nicht aus. Überall stehen Zelte. Umgeben von den zeltenden Menschen kann Jesus kaum etwas passieren.
 
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Noch zwei Generationen vor mir war es verpönt, dem „israelischen Projekt“ den Rücken zu kehren. Ins Ausland zu gehen war eine Art nationaler Verrat. Meine Generation sieht es nicht mehr so. Israel ist inzwischen so selbstverständlich geworden, dass du dazugehörst und trotzdem die freie Wahl hast, wann und wo du leben willst. Das „Projekt“ ist „fertiggestellt“ und wir sind ein Land wie jedes andere. 
Fast.

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Das sagen andere über "Lass das Land erzählen"

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Als ich vor Jahren aus Jux einmal die Brille eines Kollegen anzog, nahm ich überrascht wahr, dass ich all die Jahre nie ganz scharf gesehen hatte. Genauso fühlte es sich an, als ich mit Assaf Israel bereiste. Die ungewohnten Perspektiven haben mir einen neuen Zugang zur Bibel lieb gemacht und mich über Gott staunen lassen. Dank diesem Buch ist eine solche Reise auch für dich selbst vom Sofa aus möglich – eine einzigartige und umwälzende Erfahrung! Danke, mein Freund.

Andreas Boppart, Missionsleiter Campus für Christus Schweiz, Deutschland und Österreich und Buchautor

Der Autor stellt eine einzigartige Verbindung zwischen dem Land Israel, dem biblischen Volk und der jüdischen Tradition her. Diese Mehrdimensionalität macht das Buch besonders. Die biblischen Geschichten werden lebendig und wecken die Sehnsucht, Israel als Land zu bereisen, das jüdische Volk besser kennen zu lernen und die Bibel durch die «jüdische Brille» zu lesen.
Anatoli Uschomirski, Buchautor und theologischer Referent beim Evangeliumsdienst für Israel

Seit unserer ersten gemeinsamen Israel-Studienreise bin ich mit Assaf Zeevi im stetigen, lehrreichen Austausch. Ich freue mich sehr, dass sich durch dieses Buch viele andere auf die spannende Reise begeben können.
Prof. Dr. Jacob Thiessen, Neutestamentler und Rektor der STH Basel

Wau!!! Was für ein Buch! Mir bleibt nur ein Staunen! Was für ein Wissen, was für eine Arbeit, die dahinter steckt. Da man in der Bibel liest, sollte man parallel deine diesbezüglichen Auslegungen mitnehmen. Ich würde das Werk jedem empfehlen!
Johannes Wirth, Leiter GvC Bewegung, Gründer der Quellenhofstiftung

Kaum je habe ich ein Sachbuch so verschlungen wie dieses. Grossartig, spannend und dazu eine Augenweide!
M. Coretti, Ipsach

Mit grosser Faszination und Freude bin ich dank dieses Buches mit Abraham, dem Volk Israel und zahlreichen biblischen Personen unterwegs. Ich werde ins Land, in die Geschichte hineingenommen und gehe die Wege innerlich mit. Bilder aus manchen Israel-Reisen werden geweckt, sodass ich mich im Geiste dort befinde. Die Verknüpfung von biblischen, archäologischen, etymologischen, historischen, zeitgeschichtlichen und religiösen Elementen ist einzigartig und eröffnet mir weitere Erkenntnisse. Für Menschen, die noch nicht in Israel waren, wird das Buch mehr als nur ein «appetizer» sein. Und immer wieder musste ich bei diesem einzigartigen Schreibstil schmunzeln oder gar laut lachen. Kurz: Total gelungen!
Diakon Daniel Aebersold, Bischofszell

 
Das Buch hat mich echt berührt. Ich empfinde es als einen grossen Gewinn und Segen für mein Leben!
Werner Rueegg, Seuzach

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